Müßiggang - als der Sinn des Lebens

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Geschrieben von: Dein-Gesundheitsmanager   
Montag, den 12. Oktober 2009 um 18:46 Uhr

Hängematte-Ruhe

Der Müßiggänger ist ein Abenteurer im Angesicht des Todes, ein Kreuzritter wider das Diktat der Eile !

aus  "Nachtzug nach Lissabon, von Pascal Mersier".

Arbeit galt im Mittelalter bis zur Reformationszeit und dem Auftritt von Martin Luther, als Mühsal und Not.
Wenn man manche heutige Arbeits-und Rahmenbedingungen betrachtet, die die Menschen krank machen (wenn Arbeit krank macht), kann man die Arbeit wieder mit Mühsal und Not in Verbindung bringen. Die moderne Gesellschaft ist heute dabei, sich die hart erkämpften Errungenschaften der Arbeiterbewegungen (siehe 1. Mai, Tag der Arbeiterkampfbewegung; August Spies Chicago 1886; oder die 8-Stundenbewegung 1834 in Großbritannien) im 19. Jahrhundert, wieder wegnehmen zu lassen. Wenn nur noch die Leistungserbringung die einzige Religion (verbreitet vom Kapital !) in der heutigen Welt ist, wo bleibt dann der Mensch? Hier passt ein Zitat von Arthur Schopenhauer: " Es gibt Menschen, die bezahlen für Geld jeden Preis ! ".
Martin Luther brachte mit der gewöhnlichen Arbeit, den Begriff  Beruf und "Berufung"  in Verbindung. Erst durch Martin Luther und die Reformation erhielt die Arbeit ihren gottgefälligen Status. Hiermit hatten die Reichen, als Kapitalhalter, Gott an ihrer Seite, um das Proletariat unter dem Deckmantel der Religion noch besser steuern und ausbeuten zu können.

Ziel der Arbeit ist die Muße. Die Muße ist die Schwester der Freiheit !
Aristoteles


Im Berliner Grundsatzprogramm der SPD von 1989 (Seite 27) findet sich eine Passage:
"Menschliches Leben vollzieht sich im Rhytmus von Arbeit und Muße, Anspannung und Entspannung. Mit der Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit vergrößert sich das Angebot an Zeit für die freibestimmten Tätigkeiten (Selbstbestimmung wichtiger denn je..).  Es muss für alle möglich werden, nach eigener Wahl kreativ zu sein ".


Müßiggang ist das Aufsuchen der Muße, das entspannte und von Pflichten freie Ausleben, nicht die Erholung von besonderen Stresssituationen oder körperlichen Belastungen. Der Müßgigang geht z.B. mit geistigen Genüssen oder leichten vergnüglichen Tätigkeiten einher, kann jedoch auch das reine Nichtstun bedeuten oder ein Leben in Einklang mit der Natur bedeuten. In der heutigen Umgangssprache und gesellschaftlich tief verankert, besitzt der Müßiggang – im Gegensatz zur Muße – eine negative Konnotation und wird in der Regel mit Faulheit in Verbindung gebracht.
In der christlichen Theologie wird er in die sieben Hauptlaster oder Wurzelsünden eingeordnet, die ihrerseits die Todsünden nach sich ziehen können. Ausdruck dieser Einschätzung ist das Sprichwort „Müßiggang ist aller Laster Anfang“.  Einen literarischen Kontrapunkt zu diesem Sprichwort setzte 1932 Bertrand Russell mit seinem Essay: "Lob des Müßiggangs" (Originaltitel: Praise of Idleness).

Friedrich Nietzsche schrieb:
„Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite". Der Hang zur Freude nennt sich bereits „Bedürfniss der Erholung“ und fängt an, sich vor sich selber zu schämen. „Man ist es seiner Gesundheit schuldig“ — so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es könnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heißt zum Spazierengehen mit Gedanken und Freuden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.“

... und weiter...

"Wie unnütz wir waren! Und wie stolz waren wir darauf, so unnütz zu sein! Wir hätten miteinander uns um den Ruhm streiten können, wer von uns beiden der Unnützere sei. Wir wollten nichts bedeuten, nichts vertreten, nichts bezwecken, wir wollten ohne Zukunft sein, nichts als bequem auf der Schwelle der Gegenwart hingestreckte Nichtsnutze - und das waren wir auch. "

Friedrich Nietzsche


Müßiggang oder auch Freizeit war lange Zeit ein Privileg des Adels, der oberen Schichten und des Klerus. So spricht Claude-Henri de Saint-Simon unter anderem von einem Antagonismus zwischen einer Klasse der Müßiggänger (Adel, Klerus) und den Industriels, der „industriellen Klasse“ (die ganze arbeitende Nation, angeführt von Industriellen, Bankiers, Ingenieuren und Wissenschaftlern). Müßiggang war allerdings oft mit der Beschäftigung mit freien Künsten und der Bildung verknüpft und galt als unverzichtbare Grundlage für Kunst, Kultur und Philosophie.
Von der menschlichen Seele betrachtet, würde uns ein gewisser Müßiggang guttun. Entdecke die Langsamkeit zum Wohle von Körper und Geist, heißt es gar in mancher aktuellen Studie zur menschlichen Gesundheit und des alterns. Es bliebe mehr Zeit für den Umgang miteinander, für ein lächeln, einen freundlichen Blick und die Liebe. Menschliches Leben lebt von Beziehungen und Lebendigkeit die durch Zeit gespeist wird. Wir sind keine Automaten und drohen doch im täglichen Einerlei zu versinken. Zeit ist der kostbarste Faktor im Leben, was auch die Zeitdiebe im Film "Momo" genau wussten. Bedächtigkeit und Langsamkeit würden uns jung bleiben lassen, obwohl wir alt werden.
"Carpe Diem" sei von den Römern mit Müßiggang und Muße gleichgesetzt worden. Heute, in unserer Leistungsgesellschaft, sei daraus ein  "Befehl zur Tat"  geworden  (Prof. Lesch, ZDF Sendung "Abenteuer Forschung" v. 2010-11-03).


"Faulenzer sind die eigentlichen Wohltäter der Menschheit - wenn man bedenkt, wieviel Unheil allein durch ihr Nichtstun verhindert worden ist".


George Mikes, US-Schriftsteller



" Ein Mensch, der um anderer willen, ohne dass es seine eigene Leidenschaft, sein eigenes Bedürfnis ist, sich um Geld oder Ehre oder sonst etwas abarbeitet, ist immer ein Tor " .


Goethe
Bildquelle: © sassi/PIXELIO www.pixelio.de
"Dieser Artikel basiert teilweise auf dem Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Müssiggang aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Versionsgeschichte des Artikels von Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Stand der Informationen: 12.10.2009."




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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 21. Juni 2011 um 21:52 Uhr
 



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